Bezirkskirchentag 2012

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Bezirkskirchentag 2010


 

Wo sich Himmel und Erde berühren

Die Heimat ist ein in vielen Farben schillernder Begriff. Dass die Kirche Heimat sein kann, zeigte sich am Sonntag, 18. Juli 2010 beim Schlussgottesdienst des Bezirkskirchentags im Hof der Nürtinger Stadthalle.

„Der Himmel geht über allen auf“ war das Motto des Bezirkskirchentages. Damit sollte gesagt werden, was die Menschen in aller Welt verbindet, egal ob sie in elenden Verhältnissen wohnen oder im Wohlstand. Gleichzeitig bedeutete es die immer von neuem betonte Pflicht, den weniger mit weltlichen Gütern gesegneten Menschen unter die Arme zu greifen und ihnen zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.
Der Kirchenbezirk ist bis auf Bempflingen mit dem Altkreis Nürtingen identisch und umfasst insgesamt 54 000 Seelen. Dekan Michael Waldmann betonte in seiner Begrüßung, dass bei den vorausgegangenen Veranstaltungen in vielen Gemeinden echte Kirchentagsatmosphäre geherrscht habe. Stets sei dabei auch das Elend in vielen Teilen der Welt zur Sprache gekommen. Das Opfer des Abschlussgottesdienstes ist für die Vesperkirche bestimmt. Die Evangelische Kirche in Nürtingen plant für das kommende Jahr in der Lutherkirche vom 23. Januar bis zum 13. Februar ihre vierte Vesperkirche. So sollen Menschen, die sonst vielleicht am Rande stehen, in den Mittelpunkt gerückt werden.

Sei getrost und unverzagt
Für die Lesung im Gottesdienst stand Pfarrerin Ina Mohn bereit. Die Predigt vor der Stadthalle wurde von Oberkirchenrat Dieter Kaufmann gehalten, dem Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks in Württemberg. Sein Ausgangspunkt war die Apostelgeschichte, die Lukas mit allen Künsten und Fertigkeiten der römischen Historikerzunft verfasste. Er schildert in der Apostelgeschichte die Entwicklung der ersten Gemeinde noch zur Zeit der Apostel und ihr allmähliches Wachsen über alle Schwierigkeiten hinweg. „Sei getrost und unverzagt“ war die Lehre, die der Geistliche aus der Entwicklung der ersten Gemeinde zog. Hier sei auch einer der Berührungspunkte zwischen Himmel und Erde zu finden, nämlich in der Gemeinschaft.
Ein weiterer Berührungspunkt zwischen Himmel und Erde ist für ihn das Beten, in das sowohl die seelischen Hochs wie die seelischen Tiefs gehörten. „Beim Beten legen wir uns Gott ans Herz.“ Unter Bezugnahme auf das Motto „Der Himmel geht über allen auf“ stellte er eine Verbindung her zwischen dem reichen Kornbauern aus der Bibel und den Reichen von heute in ihrer Pflicht, zum Gelingen der Gesellschaft beizutragen. Die Nürtinger Vesperkirche nannte er ein gutes Beispiel für das Teilen. Der Zuspruch in den letzten Jahren war groß. Täglich kamen zwischen 180 und 350 Gäste.
Wie schon Martin Luther auf die „holde Musica“ in den Gottesdiensten nicht verzichten mochte, so fehlte es auch beim Schlussgottesdienst nicht an Sang und Klang. Der Bezirksprojektchor unter der Leitung von Kantorin Angelika Rau-ulo trug seinen Teil zum Gottesdienst bei, während der Bezirksbläserchor unter der Stabführung von Ferdinand Kübler mit getragenen Klängen die Lieder begleitete. Dass der Bläserchor auch anders kann, demonstrierte er mit Schwung und Verve nach dem Gottesdienst. Wie gut sich auch von Pop und Rock inspirierte Musik auf einer kirchlichen Veranstaltung machen kann, stellte die „Stubi Live Band“ mit ihrem Sänger Martin Stubenvoll unter Beweis. Jugendliche aus Aich spielten unter Anleitung von Pfarrerin Dr. Dörte Bester „Himmelsszenen“, eine Abfolge kurzer Sketche. Eine der Fragen, die sie in den Raum stellten, lautete: „Wo fängt der Himmel an und wo hört die Erde auf?“
Für ein hübsches Schlussbild sorgten die Kinder der Kinderkirche, indem sie bunte Luftballons in den Azur steigen ließen. Bei den anschließenden „Begegnungen zur Mittagszeit“ fehlte es an nichts. Man konnte sich an Köstlichkeiten gütlich tun, sich mit Informationen aus den Kirchengemeinden versorgen oder die Kinder bei allerlei Spielen verfolgen. Es war, wenn man so will, ein gesegneter Kirchentag. Sogar der Kanon, zu dem die Bezirkskantorin während des Gottesdienstes aufforderte, sonst immer ein heikles Unterfangen, war auf dem weiten Platz nicht in stimmlichem Chaos untergegangen. Nürtinger Zeitung - Günter Schmitt